Warum ausgerechnet Waldschafe?

 

Wir wollten uns Schafe anschaffen. Weil sie sich als Weidepfleger mit unseren beiden Rentner-Ponys gut ergänzen und weil unsere Weiden zum Teil sehr steile Hanglage haben und Schafe dort weniger Trittschäden verursachen als Rinder.

Wir suchten eine robuste und genügsame Landrasse, die keine Probleme mit unserem oft sehr nass-kalten Klima im Hochsauerland hat. Außerdem sollten die Tiere gesund sein, keine Probleme bei den Geburten machen und für uns Schaf-Anfänger einfach zu handeln sein.

Bei einem Urlaub im Bayerischen Wald lernten wir im Freilichtmuseum Finsterau die Waldschafe kennen. Sie waren bzw. sind genau das, was wir gesucht haben.

Kurz nach unserem Urlaub fuhr ich (dieses Mal mit Anhänger) erneut in den Bayerischen Wald  um 3-4 Waldschafe und einen Deckbock zu kaufen.

 
 

So fing alles an... oder: zwei erlebnisreiche Tage im Bayerischen Wald

 

Mein erster Weg war natürlich nach Finsterau, um dort ein Jungschaf (unsere „Urlaubsliebe“) zu erwerben.
Wir nannten Sie „Finsterau“ und sie ist noch heute unser aller Liebling und ein absolutes Schmuseschaf.


Anschließend fuhr ich zu Herrn Denk nach Perlesreuth.
Er züchtet mit viel Herz und Verstand Waldschafe und ich durfte mir von seinen gekörten Böcken einen aussuchen. Ich entschied mich für den hornlosen Deckbock „Moreno“.


Herr Denk hat noch einige Waldschafe einer schon fast ausgestorbenen Siegl-Linie. Diese feingliedrigen Tiere gefielen mir sehr gut und als er mir eines seiner weiblichen Zuchtschafe mit Siegl Abstammung zum Kauf anbot, sagte ich freudig zu.


Spät Abends fuhr ich noch zur Familie Tanzer, die die Waldschafhaltung aufgeben wollte. Alle Tiere waren schon geschlachtet, aber bei „Meirei“, einem ehemaligen Flaschenlamm und „Betzi“ ihrer Tochter, hatten sie es nicht über das Herz gebracht. Familie Tanzer hatte schon nicht mehr mit meinem Kommen gerechnet, da es schon so spät geworden war.
Die anwesenden Großeltern waren sehr hilfsbereit und freundlich und sind mit mir und Taschenlampe über die stockdunkle, schlammige Weide geirrt um die beiden Schafe mit Müh und Not in den Hänger zu verfrachten. (
Meirei und Betzi gaben wir dann später weiter an eine Bekannte, die ebenfalls Waldschafe züchtet. Fotos von ihnen gibt es unter www.kadlin.de  ).

 

Nun suchte ich eine Pension zum Übernachten. Leider hatte ich Pech. Wegen dem Feiertag (3. Oktober) waren überall die Zimmer ausgebucht. Zum Glück hatte Familie Denk ein großes Herz und ließ mich im Zimmer ihrer Tochter übernachten. Nochmals vielen Dank für die Gastfreundschaft!!!

Am nächsten Tag ging es weiter zu Frau Habersbrunner, einer reizenden älteren Dame, ca. 85 Jahre alt, die weiblichen Lämmer zu verkaufen hatte. Fünf Stück standen in dem Stall, eine wunderschöne Zuchtgruppe. Für welches sollte ich mich entscheiden? Nach einigen Überlegungen landeten alle fünf in meinem Hänger.

Im Nachbarstall standen ihre Jungböcke, die in den nächsten Tagen zum Schlachter gebracht werden sollten. Einer von ihnen fiel mir sofort ins Auge. Der anwesende Waldschafexperte, Herr Schwinghammer, der die weiblichen Lämmer ins Zuchtbuch aufnahm bevor ich sie kaufte, bestätigte mir, dass dieser Bock ein außergewöhnlich schönes und noch dazu sehr waldschaftypisches Tier sei. Allerdings für uns nicht zu „gebrauchen“, da ein Geschwister zu unseren eben erworbenen weiblichen Schafen. Er sei vom Erscheinungsbild her körfähig, aber Frau Habersbrunner würde aus Altersgründen  keinen Bock mehr zur Körung bringen. Da sie keinen ungekörten Bock verkaufen würde, gingen eben alle ihre Jungböcke zum Schlachter. Nachdem wir einige Zeit lang diskutiert hatten, landete der hübsche Jungbock schließlich auch noch auf meinem Hänger...


Als ich nach 8 Stunden Fahrt zu Hause ankam, staunten mein Mann und unser Sohn nicht schlecht, als ich den Hänger öffnete und 11 (!) Waldschafe heraussprangen!!!

 

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Nachbemerkung: natürlich kauft man so keine Schafe, besonders nicht als Anfänger. Ich hatte damals einfach das Glück, dass Herr Denk und Herr Schwinghammer sich mit Waldschafen sehr gut auskennen und mich so gut beraten haben. Jedem Schaf-Neuling lege ich VOR dem Kauf von Schafen den Besuch von Schafzüchtern und am besten auch noch die Teilnahme an einem Lehrgang rund um die Schafhaltung ans Herz (siehe Rubrik "Tipps").
 
Uns hat das Waldschafvirus inzwischen völlig erwischt. Ich bin mehrfach für einige Tage nach Bayern gefahren (einmal auch bis nach Österreich) und habe "Waldschafzüchter-Rundfahrten" gemacht, das heißt ich habe viele verschiedene Waldschafzüchter besucht, mir Ihre Herden angeschaut und mit Ihnen Erfahrungen ausgetauscht.
Michael konnte leider nicht mitkommen, er ist zu Hause geblieben um auf unseren Sohn Tilo aufzupassen, dem wir die lange Autofahrt nicht zumuten wollten. Dafür hat er dann nach dem Besuch verschiedener Lehrgänge den Sachkundenachweis für Schafhalter erworben und schert seit dem Schafschurlehrgang unsere Schafe selber.
 
Anpaarungen berechnen wir mit dem Computerprogramm "Optimate" dass ich in Österreich kennengelernt habe. Mit diesem Programm ist man in der Lage, den Inzuchtfaktor zu berechnen (Infos über Optimate gibt es unter www.waldschaf.at ). Unsere Herde ist inzwischen auf 25 Muttertiere angewachsen, denen insgesamt 7 Ha Weideflächen zur Verfügung stehen.
Vorsicht, das Waldschafvirus ist sehr ansteckend!!!